Die Mission

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Für unsere Sternenkinder … und für alle, die irgendwo gerade sehnsüchtig darauf warten, ihren Platz einzunehmen ❤:

Sie kamen auf der Straße zur Welt. Kein wirklich guter Start.
Die meisten Straßenbabys überleben ihre ersten vier Monate nicht, sie verhungern, werden von wilden Hunden gefressen, sie sterben an Infektionskrankheiten oder werden überfahren.

Doch diese beiden Katerchen hatten Glück.
Ihr Vater, der größte und schönste rothaarige Kater im Revier, wachte über seinen Nachwuchs. Alle hatten großen Respekt vor ihm.
Wenn er sich nach seiner letzten Patrouille zu ihnen ins Gebüsch legte und ihre Mutter dabei ablöste, die Kleinen zu wärmen, dann erzählte er ihnen alles, was sie wissen mussten.
Er erzählte ihnen auch, sie hätten einen Auftrag, eine wichtige Mission zu erfüllen:

„Jede Katze kommt mit einer Mission in die Welt, müsst ihr wissen. Meine Mission ist es, unser Straßenrudel zu schützen, die eurer Mutter ist es, schön und wild zu sein… und eure Mission, die müsst ihr erst noch herausfinden.
Aber als meine Söhne erwarte ich Großes von euch. Vielleicht seid ihr sogar für einen Menschen bestimmt!
Das ist die schwierigste Aufgabe. Menschen sind seltsam, müsst ihr wissen…“
Dann schnurrte er nachdenklich. Denn wie sollten seine Jungs jemals den Menschen finden, für den sie bestimmt waren?
Der rote Kater war erfahren und wusste viele Dinge. Aber auf manche Fragen hatte auch er keine Antwort.

Dafür hatte die Mutter der beiden eine Idee.

Als das nächste Mal jemand an die Futterstelle kam, brachte sie ihre beiden Söhne einfach mit. Vielleicht würde sich jemand um sie kümmern? Vielleicht war irgendwo doch noch ein sicherer Platz in der Menschensiedlung frei?

Die beiden Katzenkinder staunten über die vielen anderen Katzen, die sich hier alle zum Festmahl versammelt hatten. Große und kleine, schwarze, weiße, alte und junge Tiere.
Es gab genügend Futter für jeden und dieses zweibeinige Wesen mit der freundlichen Stimme, das war dann wohl der Mensch, von dem ihr Vater erzählt hatte?

Fragend drehten sie sich zu ihrer Mutter um … aber die war plötzlich nicht mehr da. Menschen waren nicht so ihr Ding. Obwohl sie mittlerweile wusste, dass es auch freundliche Exemplare gab, hielt sie sich lieber fern und beobachtete aus einem sicheren Versteck heraus, ob der Plan aufgehen würde … ob der Mensch an der Futterstelle die beiden Babys in Obhut nehmen würde. Sie wünschte ihren Söhnen nur das beste Leben, auch wenn es den Abschied bedeutete.

Die beiden saßen nicht lange allein. Ehe sie begriffen hatten, was gerade passiert, wurden sie bereits von sanften Händen ergriffen und in einen Käfig gesetzt.
So begann, völlig unerwartet für sie, die lange Reise, die Suche nach IHREM Menschen, nach ihrer Mission.

Mit einem halb glücklichen, halb traurigen Seufzer drehte die Katzenmutter sich noch ein letztes Mal um und sah dem Auto nach. Dann machte sie sich auf den Weg, um dem roten Kater und der Kolonie zu verkünden, dass ihre Babys es geschafft hatten …
Sie waren jetzt in sicherer Obhut und würden niemals Straßenkatzen werden, die beständig auf der Hut und im Ungewissen leben müssen, die hungern und frieren …

Diese beiden Kinder würden es einmal besser haben als sie … und sie würden mit etwas Glück vielleicht sogar ihre Bestimmung finden … einen Menschen glücklich zu machen.
Die zarte, weiße Siammix Kätzin mit den blauen Augen schnurrte zufrieden. Sie war sehr stolz auf ihre Söhne! …

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Während man in der Katzenkolonie die Rettung der beiden Katerchen mit einem ausgiebigen Mondspaziergang feierte, war den beiden Helden dieser Geschichte noch nicht so ganz nach Feiern zumute.
Sie waren in einem kleinen Raum, es gab ein Bettchen, es war warm, es gab Futter… aber richtig wohl war ihnen trotzdem nicht. Sie fühlten sich einsam.

Natürlich hatte ihre Mutter sie am Morgen sanft auf das große Abenteuer vorbereitet. Aber sie hatte dabei nicht erwähnt, dass sie dieses Abenteuer ohne ihr vertrautes Rudel erleben würden. „Mama fehlt mir“, jammerte der Jüngere der beiden.
Sein älterer Bruder, drei Minuten älter, um genau zu sein, tröstete ihn.
„Sie hat gesagt, ganz gleich, was passiert, wir sollen uns keine Sorgen machen! Helden müssen tapfer sein … und wir sind ihre kleinen Helden!
Also hör auf zu jammern und warte einfach ab, was passiert.
Wenn dieser Mensch, der uns hierher gebracht hat, jetzt unsere Mission ist, dann müssen wir uns bald um ihn kümmern!
Aber erst einmal wird geschlafen. Ich habe so viel gegessen, ich bin pappsatt und müde!“

Sie kuschelten sich eng aneinander und schliefen ein.

In dieser Nacht ging auch eine andere Katze im Mondschein spazieren.
Sie setzte sich ganz an den Rand des Sternengartens und sah nachdenklich auf die beiden Katzenbrüder.
Ob sie eine gute Wahl wären? Ob es sehr schwierig werden würde, sie zusammenzubringen?

Sie kniff die Augen zusammen und schätzte die Entfernung zwischen ihnen ab. Wieder scharf wie ein Adler sehen zu können, war eine der schönsten Errungenschaften im Sternengarten.
Es waren ein paar Tausend Kilometer.
Aber Liebe kennt keine Entfernungen und keine Zeit.
Der Sternengarten war noch viel weiter entfernt von ihrem Menschen, als diese beiden Katzenkinder und doch waren sie sich ganz nahe.

Sie beschloss, noch eine Weile darüber nachzudenken. Sie wollte die beiden noch eine Weile beobachten und dann ihre Entscheidung treffen.
Luna kuschelte sich in eine weiche Wolke und schickte vor dem Einschlafen noch einen schönen Traum auf die Erde. Darin kamen kleine, weiße Katzen vor und sie fand ihn sehr gelungen …

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´Gutes Karma to Go´